Goya zwischen Mord und Folter, gesellschaftlicher Verpflichtung und persönlicher Betroffenheit

Die Reihe «los desastres de la guerra» - die Schrecken des Krieges

 
Und er fragte: «Bin ich närrisch, Doktor? Ist das Wahnsinn, was ich da gezeichnet habe?» Doch der andere voll Ehrfurcht, sagte: «Wenn ich hier manches sehe, was ich nicht recht begreife, dann ist´s deshalb, weil ich so viel wen´ger wissend bin als sie. Sie zeigen uns die Hölle so, als wären sie dort gewesen, und mir schwindelt, schaue ich all das an.» Francisco aber sprach: «Ich bin dort gewesen, Doktor, in der Hölle, sie, wenn einer, wissen´s doch. Und mir hat auch geschwindelt. Und das es die andern schwindele, sehen sie, genau das habe ich gewollt. So ist es richtig, Doktor.» Und er schlug ihm jungenhaft vergnügt die Schulter. (aus: Feuchtwanger, Lion: Goya. Der arge Weg der Erkenntnis. Aufbau-Verlag. Berlin, 1961)
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und seiner Zeit    
  Diese Radierung ist eine von vieren, die auf der Rückseite der Landschaftsplatten entstanden. Alle zeigen, wie gräßlich die französischen Soldaten mit dem spanischen Volk umgingen: Die Frauen wurden vergewaltigt, die Männer erhängt oder erschossen, ganze Familien wurden ausgelöscht.
«Duro es el paso! Estragos de la guerra», 1810-11, Radierung laviert, 14, 2 x 17 cm    

 

Diese Szene hat sich tatsächlich in Saragossa abgespielt. Als die gesamte Besatzung des Geschützes gefallen oder geflohen war, schoß das Mädchen Augustina von Aragon eigenhändig das Geschütz auf die Franzosen ab. Ihr Heldenmut wurde in vielen Berichten und Stichen gefeiert. Goya zeigt nur das Wesentliche: die Toten und das zarte Mädchen neben der massiven Eisenkanone.
«Que valor! Welcher Mut!» 1810 -1815.

 

In diesem Bild ist die Hilflosigkeit der Zivilbevölkerung gegen die bewaffnetetn französischen Soldaten dokumentiert. Das Opfer ist an einen Baum gefesselt, zwei Soldaten schießen ihm aus nächster Nähe in den Rücken. Ähnlich wie in dem Werk Der 3. Mai ist auch hier das Opfer machtlos gegen die gesichtslose Maschinerie der Soldaten. Wieder kreiert Goya mit seiner meisterhaften Hell-Dunkel-Malerei eine bedrohliche, surrealistische Atmosphäre. Komposition und Strichführung verstärken den Eindruck.
«Barbaros! Barbaren!» 1812 - 1815

 

Goya schildert in seinen 82 Radierungen die Greultaten, Toten und Verstümmelungen in einer bis dahin nie gekannten Schärfe, Präziszion und Sachlichkeit. Dadurch verstärkte er ihre Wirkung auf den Betrachter, die nicht zuletzt durch seine einzigartige Technik und Komposition in der Form zukunftsweisend waren und in ihrem Inhalt zeitlos sind.
  «Heldentat»

 

Die Radierungen wurden zu Goyas Lebzeiten nie veröffentlicht. Die erste Ausgabe wurde 1863 von der San-Fernando-Akademie herausgebracht. Seine 82 Blätter wandten sich gegen die Willkür einer Obrigkeit, besonders der Kirche. Damit folgte er den Gedanken der Franzosen und ihrer Aufklärung. In Spanien galt er damit als Franzosenfreund, viel zu liberal für das geplagte Land. Schließlich ging Goya nach Frankreich und ließ die Platten in seiner Heimat zurück. 1828 starb er in Bordeaux an einem Schlaganfall.
«Dies ist schlimmer!»  
     
Goya als Künstler ein Meilenstein
   
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