Goya - auch ein Maler der Schönheit

   
Dieses Gemälde brachte Goya um 1800 vor die Inquisition. Skandalös und unzüchtig nannte der spanische Klerus das Portrait dieser Frau, in dem sich Goya auch als ein Maler der Schönheit zeigt. Warum dieser Skandal, malten und meißelten doch schon Jahrtausende vor dem Spanier Künstler nackte Leiber? Doch bei den Griechen hießen die unbekleideten Schönheiten Venus, bei Rubens Hera, bei Dürer Eva und bei Raffael die drei Grazien. Mythologische, bilblische oder allegorische Figuren.
'«Die nackte Maya», 1789-1805, Öl auf Leinwand, 97 x 190 cm, Museo del Prado, Madrid.
 

Auch wenn Modell doch die Dirne von der Straße stand. Goya malte zum ersten Mal eine echte nackte Frau, eine die es wirklich gab zu seiner Zeit: die Maya. Und die liegt da als Personifikation aller spanischen Frauen, als die Urspanierin. So schön und so sinnlich sie ist, ohne Zierat, ohne Schmuck, ohne Allegorie. Eben eine der Frauen, die eine eigene Fächersprache entwickelten, mit der sie die Männer in den den Theatern um den Verstand brachten. Erotisch, selbstbewußt und einladend liegt sie da. Ganz so unzüchtig wie die Inquisition fand das der Auftraggeber nicht.

 
Letztendlich fand das Gemälde seinen Platz im Hause eines berühmten Ministers. Der jedoch kaufte die Version der bekleideten Spanierin gleich dazu und hing diese gesellschaftsfähigere Fassung kurzerhand vor das skandalöse Werk. Ein Zugmechanismus legte die offene Sinnlichkeit frei, für besondere Gäste und zu seinem eigenen Vergnügen.
  «Die bekleidete Maya», 1789 - 1805, Öl auf Leinwand, 97 x 190 cm, Museo del Prado, Madrid.
   
 
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