Begründer der Moderne

Goya gilt als eine absolute Ausnahmegestalt in der Kunstgeschichte. In keine stilistische Kategorie paßt er hinein. Goya ist einfach Goya. Noch konsequenter als Caravaggio um 1600 trennte sich Goya vom vorherrschenden Naturalismus. Caravaggio scheute sich nicht einen leidenden, fast armseligen Christus am Kreuz zu malen, während Kollegen wie Rubens einen vor Kraft strotzenden Helden, den Nägel und Dornenkrone nicht beeindruckten, auf überdimensionale Leinwände brachten.

Genauso wie Caravaggio bereitet Goya den Realismus vor, den es im eigentlichen Sinne erst 1855 später gab.Goya brauchte keine Aufträge, um zu malen. Er arbeitete für sich. Er verherrlichte nichts, stellte nichts einfach nur dar, brach mit allen stilistischen Konventionen, mit der traditionellen Malerei. Nicht mehr länger war die Malerei der Spiegel der Natur, sondern der Künstler wurde der Dirigent, seine individuelle Sicht fand in seiner Arbeit ihren Ausdruck. Heute ist das für jeden Künstler selbstverständlich, aber damals waren Goyas Gedanken und seine Kühnheit in der Darstellung der Natur, des Raumes, des Lichts, der Anatomie revolutionär.
 
«Der 3. Mai 1808, Erschießung der Aufständischen», 1814. Öl auf Leinwand, 266 x 345 cm, Museo del Prado, Madrid.


 

Die neue Art des Historienbildes: Für dieses Bild gab es keinen Auftrag. Keine Elemente dokumentieren oder verifizieren Ort und Zeit des Geschehens. Der Held ist das Opfer. Raum, Anatomie und Licht sind unnatürlich. Bruch mit traditioneller Malerei, dennoch Verwendung traditioneller Symbolik: Christusdarstellung des Mannes mit Wundmalen Christi.
 

Zur Startseite Goya und seine Zeit
Die nackte Maya Die Schrecken des Krieges
Die Caprichos Der Koloß