Erste Erfahrungen als Kriegsberichterstatter:
Ein Journalist bleibt ein Journalist

 
  Die journalistische Herausforderung war zu verlockend für Russell. Nach kurzem Zögern nahm er die ungewöhnliche Aufgabe an. Er begleitete die britische Armee nach Malta (Karte). Von dort setzte man nach Gallipoli über. Der unerwartet heruntergekommene Zustand der königlichen Truppen stach ihm sofort in die Augen. Die Männer waren unorganisiert und - so sein Eindruck - definitiv unter der Würde der englischen Krone. In klaren Sätzen sezierte Russell den Zustand der Streitkräfte und schickte Berichte nach London. Dort war man die plötzliche Kritik nicht gewöhnt. Russell kratzte am Ruhm des Königreiches. John Delane bekam Angst vor der eigenen Idee. Er fürchtete, die Frontberichte könnten unpatriotisch auf die englische Öffentlichkeit wirken. Sie wurden nie abgedruckt. Doch was sollte man dann mit ihnen anfangen? Schließlich setzte William Howard Russell sein Leben dafür ein. Also ließ der Herausgeber der Times, Delane, sie im Kabinett kursieren. Immerhin war auch das eine Form der Veröffentlichung. Die Schärfe von Russells Worten zeigte sich im späteren Sturz der Regierung.
Sir Garnet Wolseley: «Pardon me, my dear doctor, if I say that you have been hoaxed by gross exaggerations and transparent untruths.» Dr. Russell: «Forgive me, my dazzling young general, für mentioning that you are a pig-headed ignoramus, and don't know what you are talking about.»    
 

Der Krieg an Zeitungsfronten und seine Folgen