Der erste Frontreporter
 
Krieg ist immer mehr auch ein Krieg der Medien. Ob Golfkrieg oder Kosovo: Die Öffentlichkeit wird ausführlich informiert. Obwohl die heutige Medienlandschaft immer unübersichtlicher wird, läßt sich die Kriegsberichterstattung auf einen Ursprung zurückführen: Sir William Howard Russell, den ersten Frontreporter. 1854 traf er als erster Journalist die mutige Entscheidung mit Soldaten an die Front zu ziehen, um von dort zu berichten.
Von Arne Schröder
 
Eine Idee entsteht: Journalisten auf dem Schlachtfeld
 
In Frankreich fasst Napoleon III. nach der Revolution Fuß. In den amerikanischen Südstaaten schufften immer noch Sklaven auf den Plantagen aristokratischer Großgrundbesitzer. Der einjährige Vincent van Gogh schlummert nichtsahnend in einer holländischen Wiege. William Howard Russell lungert als Korrespondent der Times in Londoner Gerichtsgebäuden herum. Er lauert auf den sogenannten Scoop, die ganz große Geschichte.
Man schreibt das Jahr 1854. Es tobt Krieg auf der Krim (Karte). Das Bedürfnis nach umfassender Information bringt eine neue Form des Journalismus hervor: die Kriegsberichterstattung.

Wie es damals üblich war, engagierte die Times einen jungen Offizier. Seine Aufgabe bestand darin, per Post Berichte von der Front nach London zu schicken. Schnell merkte man aber, dass diese traditionelle Methode der Schlachtbeschreibung den wachsenden Ansprüchen der Öffentlichkeit nicht mehr gerecht wurde. Zum einen kamen die Informationen mit großer zeitlicher Verzögerung an und zum anderen waren sie selektiv. Der Offizier war ja in erster Linie Soldat. Er hatte zu kämpfen, nicht zu schreiben.

John Delane, der Herausgeber der Times, beschloss, eine neue Richtung einzuschlagen: Die Rollen sollten vertauscht werden. Statt einen Soldaten mit einer Schreibfeder zu bewaffnen, schickte er nun einen Journalisten an die Front. Seine Wahl fiel auf den 33-jährigen William Howard Russell, der sich zunächst gegen diesen Gedanken sträubte. Er hatte zu schreiben, nicht zu kämpfen.
   
William Howard Russell

Englischer Originaltext von William Howard Russell über eine Sklavenauktion in Amerika

Erste Erfahrungen als Kriegsberichterstatter: Ein Journalist bleibt ein Journalist

Zur Übersicht Kriegsberichterstattung