Technischer Fortschritt verändert die Kriegsberichterstattung

 
Nicht nur William Russell verfeinerte seine Methoden. Das ganze Zeitungswesen machte wenige Jahre später während des amerikanischen Sezessionskrieges einen weiten Sprung in die Zukunft. Allein auf der Seite der Nordstaaten waren hier 500 Kriegsberichterstatter im Einsatz. Während im Krimkrieg die Zeitungsauflagen schon um das Dreifache stiegen, schnellten sie nun um das Fünffache in die Höhe. Ursache hierfür war der schnelle Informationstransport durch eine neue Erfindung: den Telegrafen. Nachrichten konnten jetzt in kürzester Zeit verschickt werden. Die Folge dieser Entwicklung war jedoch nicht eine bessere Information der Öffentlichkeit. Kommerz stellte die wahrheitsgemäße Berichterstattung an die Wand. So befahl Wilbur F. Storey von der Chicago Times seinen Frontreportern: «Telegrafieren Sie alle Nachrichten die sie bekommen können. Und wenn es keine gibt, dann schicken Sie Gerüchte!» Es liegt auf der Hand, dass diese Artikel nichts mehr mit Russells Sichtweise der neutralen Berichterstattung zu tun hatten. Die Journalisten stellten sich zu häufig selbst als Helden dar. Manchmal tauschten sie gleich ganz Schreibfeder und Waffe. Zu häufig ergab die Jagd nach dem Scoop frei erfundene Geschichten, die als Wahrheit verkauft wurden. Nur eines wird immer so bleiben wie es war: Je näher ein Reporter sich in das Zentrum der Kämpfe wagt, um von dort zu berichten, um so mehr riskiert er sein Leben.
     
Was wurde aus William Howard Russell?